Ahnenforschung

Wo komme ich her? Wie und wo haben meine Vorfahren gelebt? Welche Verwandten gibt es, die ich bislang nicht kenne? Dies alles sind Fragen, die sich Menschen immer wieder stellen. Kennen viele noch die eigenen Eltern, Großeltern und Urgroßeltern, reißt die Geschichte von Familien häufig vor diesen Generationen ab.

Licht in das "Dunkel der Familienbeziehungen" will die so genannte Ahnenforschung bringen. Auch als Genealogie bezeichnet, beschäftigt sich die Ahnenforschung mit den Verwandschaftsbeziehungen von Menschen untereinander und deren anschaulicher Darstellung.

Genealogie ist eine der so genannten "Historischen Grundwissenschaften" und als solche eine Teildisziplin der Geschichtswissenschaften. Sie konzentriert sich darauf, historische Quellen aufzuarbeiten und auszuwerten. Ausgehend von einer bestimmten Person, erforschen Genealogen die Abstammung von Vorfahren in aufsteigender Linie, sowie die von Nachfahren in absteigender Linie. Bestehen zwischen Personen genealogische Verknüpfungen, werden diese als zum Kreis der Verwandten zugehörig gezählt.

Ahnenforschung wird in allen Bevölkerungsschichten betrieben. Dies gilt gleichermaßen für Arbeitnehmer, Professoren und Rentner. Genealogie ist also durchaus keine Beschäftigung nur für elitäre Kreise. Da Ahnenforschung jedoch zeitintensiv sein kann und ein gewisses Maß an spezifischem Wissen in unterschiedlichen Fachgebieten erfordert, beschäftigen sich insbesondere Pensionäre aus bildungsnahen Schichten mit dem Thema Genealogie.

Für gewöhnlich entsteht das Interesse an der Ahnenforschung an der eigenen Familie. Eltern, Großeltern und andere Verwandte werden nach den Zusammenhängen in der Familie sowie über die Herkunft von Vorfahren befragt. Fotos der Familie, Familienbücher und andere Dokumente geben darüber hinaus weiterführende Informationen. Urkundliche Belege von Großeltern und Urgroßeltern bilden einen ersten Grundstock für die Familienchronik.

Die weiterführende genealogische Forschung erfordert dann jedoch die Beschäftigung mit anderen Quellen, für welche Fachwissen in unterschiedlichen Bereichen notwendig ist. So erfordert beispielsweise die Beschäftigung mit Kirchen- oder Geschichtsbüchern die Fähigkeit, alte Schriften lesen zu können oder allgemeine Kenntnisse der lateinischen Sprache.

Mögliche Forschungsergebnisse werden von Ahnenforschern in so genannten genealogischen Ahnentafeln dargestellt. Diese können in aufsteigender Form mit Vorfahren, aber auch mit absteigenden Inhalten die Nachfahren betreffend auftreten. Werden alle Vor- und Nachfahren kombiniert dargestellt, sprechen Genealogen auch von so genannten "Sanduhr"-Tafeln.

Bei beiden Richtungen ist auch die Darstellung in Form einer Tabelle oder einer Liste möglich. Welche Form gewählt wird, hängt oftmals vom Umfang des vorliegenden Datenmaterials ab und von der Frage, wie übersichtlich die Daten dargestellt werden sollen. Im Allgemeinen gilt hier, je mehr Generationen es darzustellen gilt, umso eher ist die Darstellung in Listenform geeignet.

Insbesondere in Mitteleuropa können Genealogen auf vielfältige Quellen zurückgreifen. Grund hierfür ist, dass in weiten Teilen Europas bereits seit dem 16. Jahrhundert in großem Umfang Kirchenbücher und seit dem 18. Jahrhundert Personenstandsbücher geführt werden. In diesen Quellen, sofern sie im Zeitverlauf nicht verloren gegangen sind oder vernichtet wurden, sind die Hauptlebensdaten für alle Personen erfasst. Neben Geburts- und Sterbedaten, finden sich hier auch Hinweise auf Eheschließungen, mögliche Kinder sowie Eintragungen zum Wohn- und Aufenthaltsort.

Darüber hinaus sind Bürgerbücher, Universitäts- und Pfarrverzeichnisse sowie Passagierlisten von Auswandererschiffen und Musterungsverzeichnisse des Militärs geeignete Quellen für genealogische Recherchen. Auch Adressverzeichnisse und Steuerlisten können im Rahmen der Ahnenforschung gegebenenfalls als hilfreiche Quellen dienen.

Zunehmend wird die Arbeit von Genealogen durch den Computer unterstützt. In Ergänzung zur traditionellen Genealogie, stellt die Computergenealogie eine methodische Aufbereitung der Forschungsdaten dar. Sammelten Ahnenforscher bislang ihre Daten vorwiegend in schriftlicher Form in Bibliotheken und Archiven, bietet die Computergenealogie mit ihren digital erfassten Daten weiterführende Möglichkeiten.

Im Internet finden sich zwischenzeitlich unzählige Genealogie-Datenbanken. Eine der weltweit größten Datensammlungen dürfte hierbei die Datenbank der US-amerikanischen "Genealogischen Gesellschaft von Utah" darstellten. Diese Organisation unterstützt die Mitglieder der Religionsgemeinschaft der Mormonen dabei, familiengeschichtliche Angaben zusammen zu tragen. Insbesondere nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" ,war die mormonische Gesellschaft in den osteuropäischen Ländern unterwegs, um dort noch vorhandene Kirchenbücher zu erfassen und digital zu archivieren. Ein Umstand, der insbesondere deutsche Ahnenforscher unterstützen kann.

Wer sich mit dem Thema Ahnenforschung tiefergehend beschäftigen möchte, kann für den Einstieg auf einschlägige Literatur zugreifen. Eine Vielzahl von deutschsprachigen Publikationen findet sich auf dem Buchmarkt. Darüber hinaus ist insbesondere die englischsprachige Literatur für eine Vertiefung zu empfehlen.

Auch im Internet finden sich vielfältige Informationen rund um das Thema Genealogie. Regionale Vereine aus dem deutschsprachigen Raum und auch überregionale Organisationen informieren hier über ihre Arbeit und gewonnene Forschungsergebnisse. Gerade als Einsteiger kann man sich in genealogischen Vereinen mit in die Arbeit einbringen und sich fachspezifisches Wissen im Bereich der Ahnenforschung aneignen.